Archiv für den Monat Mai 2015

Found

Found

Der zwölfjährige Marty führt ein tristes Leben als einsamer Außenseiter. Er hat nur einen einzigen Freund, wird von seinen Eltern vernachlässigt und sein älterer Bruder Steve lässt sich viel zu selten blicken. Zurückgezogen malt er in seinem Zimmer Superhelden-Comics und schaut Horrorfilme. Eines Tages entdeckt er schockiert, dass Steve ein blutiges Geheimnis vor ihm verbirgt. Ein abgetrennter Kopf im Wandschrank seines Bruders ist der traumatische Beweis für dessen abgründiges Doppelleben. Doch schon bald erfährt Steve von Martys Entdeckung – mit grausamen Konsequenzen für den kleinen Bruder und die gesamte Familie.

Found eilt ja ein ziemlicher Ruf voraus: In England nur zensiert auf den Markt gekommen und auf diversen Festivals mit Preisen gekürt sehen viele Fans hier das nächste große Genreding auf uns zukommen. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber so wirklich überzeugen konnte mich Found nicht. Das Ding ist halt ein typischer LowBudget-Streifen, Ton, Kamera und die generelle Dynamik können einfach nicht mit „professionellen“ Produktionen mithalten. Am meisten habe ich mich aber an den Schauspielern gestört die mich bis auf Ethan Philbeck als Killer Steve durch die Bank nicht überzeugen konnten. Gerade Gavin Brown (Marty) nervt als nölig-melancholischer Teenager dessen unzufriedene Fresse man schon nach 15 Minuten nicht mehr sehen kann.

Nun ja, was man Found zu Gute halten muss ist das er mal etwas anderes probiert und dem Zuschauer nicht den X-ten Slasher präsentiert. Der Film ist eher ein ComingOfAge-Drama mit fiesen Splattereinlagen. Diese kommen übrigens eigentlich nur im „Film im Film“ und in der Schlusssequenz vor, sind dafür aber um so eindringlicher. An sich würde man die FX auch gar nicht mal so vermissen, hätte Found nur ein wenig mehr drive. Es dauert zu lange bis die Story in fahrt kommt, es fühlt sich an als drehe sich die Geschichte im Kreis ohne wirklich voran zu kommen. Man hält sich zu lange damit auf Charaktere etablieren zu wollen deren Hintergründe aber eigentlich schon vollkommen klar sind.

In den letzten 20 Minuten spitzt sich die Lage dann aber endlich merklich zu und auch die Spannungsschraube zieht an. Die Atmosphäre verdüstert sich zusehends nur um dann in einem richtig fiesen Schlussbild zu Enden. Sehr schön! Auch die Figuren verhalten sich nun recht realistisch und ein ungutes Gefühl macht sich in der Magengegend breit. Wie weit geht Bruderliebe und wann endet familiäre Loyalität!? Man muss Found zu Gute halten das es der erste „große“ Film von Regisseur Scott Schirmer ist und für nur 8000$ realisiert wurde. Man sieht auch die Liebe der Macher zum Genre, in den Zimmern der Brüder sind zum Beispiel diverse Horrorposter aufgehangen.

Indie-Fans ist Found wärmstens ans Herz gelegt, für mich war der Film dann doch ewas zu ungeschliffen. Als so krass wie er teilweise im Netz gehandelt wird habe ich ihn übrigens nicht empfunden, GoreHounds könnten also evtl. enttäuscht werden.

Die deutsche FSK18-VÖ ist gekürzt, das ungeprüfte Mediabook von Meteor Film ist uncut.

Punkte: 4 von 10