Archiv für den Monat September 2014

Among the Living

Among

Endlich Sommerferien! Nur Blödsinn im Kopf ziehen 3 Jungs durch die ländliche französische Wiesenlandschaft. Ein verlassener Freizeitpark ist ihr Ziel, doch dort angekommen bemerken sie eine hühnenhafte maskierte Gestalt die eine Frau aus einem Wagen zerrt. Wie sollte es auch anders sein werden die 3 entdeckt und der nackte Kampf ums Überleben beginnt.

Neben Martys und Frontiers war es Inside von Alexandre Bustillo und Julien Maury der vor einigen Jahren die Welle des harten französischen Genrefilms einleitete. 2011 folgte dann Livid, ein wunderschön in Szene gesetztes Märchen im Horrorgewand, dass die Gorehounds die auf einen erneuten Gewaltexzess hofften aber eher enttäuschte. 2014 meldet sich das Duo nun mit Among the Living zurück und bleibt weiterhin dem Genre treu.

Die Franzosen starten direkt mit einem Schlag in den Magen: Eine schwangere Frau (mal wieder Béatrice Dalle), ein Messer und jede Menge Blut. Das furiose Intro in bester WhiteTrash-Atmosphäre drückt ordentlich auf’s Gas, nur um dann einen Zeitsprung von 10 Jahren zu machen und erstmal wieder ruhigere Töne anzuschlagen. Man nimmt sich Zeit um die 3 Hauptdarsteller Victor, Dan und Tom einzuführen, die den Anfang ihrer Sommerferien gebührend feiern wollen: Mit geklauten Zigaretten und abgammeln. Hier wird von den Regisseuren eine schöne Atmosphäre aufgebaut die an Jugendabenteuerfilme wie The Goonies erinnert. Das liegt auch an den jungen Schauspielern die einen guten Job abliefern und zu keiner Zeit nerven.

Nach ca 30 Minuten treffen die Kids dann auf die erstmal noch verhüllten Killer und Among the Living beginnt doch eher bekannte Genre-Pfade einzuschlagen. Einschreiten, entdeckt werden, flüchten… So weit erstmal nichts Neues. Allerdings wird das Ganze dann anschließend erstmal mit einer gehörigen Portion HomeInvasion vermischt was den Thrill doch wieder nach oben treibt. Auch das kennt man natürlich alles schon, ist aber ziemlich gut in Szene gesetzt. Für zusätzliche Spannung sorgt das man lange nicht wirkliche weiß ob es sich bei den Killern nun um Mensch oder Monster handelt da der Antagonist meist nur im Hintergrund oder Schatten zu sehen ist. Die Auflösung dieses Rätsels war für mich dann doch eher unbefriedigend, genauso wie der etwas hektisch herunter gekurbelte Showdown.

Überhaupt erschloss sich mir nicht die Motivation der Killer. Warum eine Frau mitsamt Wagen auf offener Strasse verschleppen? Warum anschließend einen Rachefeldzug gegen die 3 Kinder starten wenn die Angelegenheit doch schon so gut wie abgeschlossen war. Subtil geht anders, das hatte die TCM-Crew in den 70ern schon besser drauf…

Auch wenn Among the Living neben Livid und Inside am schwächsten abschneidet wird hier spannende und toll gefilmte Genrekost aus Europa geboten. Ein bisschen mehr Mut zur Innovation hätte dem Film bestimmt gut getan, auch ist es schade das der fiese Gewaltgrad des Intros später zu keiner Zeit mehr erreicht wird. Das sollte Genreinteressierte aber nicht abschrecken und diesen „The Goonies trifft auf The Devil’s Rejects“-Mischmasch mal in den Player legen.

Punkte: 7 von 10

Among The Living
wird Anfang 2015 auch bei uns auf BD/DVD erscheinen, vielen Dank an Tiberius Film für die freundliche Einladung zum FFF-Screening!

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Eine kurze Zusammenfassung vom Fantasyfilm Fest 2014

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Hach, da ist sie wieder schon wieder vorbei, die schönste Zeit des Jahres! Zum diesjährigen Fantasyfilm Fest hat es mich ausnahmsweise nach Nürnberg verschlagen. Eigentlich sind Hamburg oder Köln ja die Städte meines Vertrauens, dieses mal hatte ich mich aber mit meiner XBL-Crew getroffen und da war Nürnberg nun mal am zentralsten.. Zusammen mit dem wunderbaren Team Awesome macht das Filme schauen dann auch gleich doppelt Spaß. Da mir derzeit die Zeit fehlt zu jedem Streifen ein halbwegs vernünftiges Review zu schreiben hier die grobe Zusammenfassung der von uns gesehenen Beiträge:

We Gotta Get Out Of This Place
4/10

Rauß aus dem Zug, rein ins Kino, mit We Gotta… startete spontan unser diesjähriges FFF. „Es gibt 32 Arten eine Story zu schreiben, aber es gibt nur einen Plot!“ heißt es darin und das beschreibt wohl auch ganz gut den kompletten Film. 1-2 halbwegs innovative Ideen gibt es, letztendlich hat man das aber alles schon mal gesehen. Bis auf die schöne, staubig-dreckige Texas-Atmosphäre hat We Gotta… nicht sonderlich viel zu bieten. Mehr noch, die 3 Hauptakteure handeln oftmals unnachvollziehbar und geben sich unnatürlich tough.

Oculus 5/10

Auf den war ich ja schon ziemlich gespannt da Oculus auf mehreren Ebenen (Vergangenheit/Gegenwart) spielt. Nach dem netten Anfang driftet das Ganze aber immer mehr in bekannte Geisterfilm-Gefilde ab ohne wirklich Neues zu bieten. Es gibt zwar ein paar nette Realitäts-Spielereien, so richtig spannend wird es aber nicht, wobei leider auch das Ende recht absehbar ist. Kann man sich mal auf Scheibe ausleihen, von einem Kauf würde ich abraten.

The Babadook 8/10

Super! Der Trailer hatte mich ja schon ziemlich gehyped und glücklicherweise entpuppte sich der Film als eines der Festival-Highlights. Großartige Schauspieler (ja, sogar das Kind nervte nicht bzw. nur wenn es sollte), ein herrlich düsteres Setting und ein interessant designtes Monster machen The Babadook zu einem tiefgründigen Horrorerlebnis mit Message. Mehr will ich dazu auch gar nicht schreiben, ansehen und genießen!

Under The Skin 1/10

Bis jetzt habe ich noch nie vorzeitig das Kino bei einem Film verlassen, Under The Skin konnte ich aber nicht mehr aushalten. Ja, ich mag auch gerne mal Filme abseits der Norm, Amer zum Beispiel ist ein AudioVisueller-Leckerbissen, das hier war für mich persönlich aber nur Mist ohne Sinn und Verstand. Monoton, langweilig, immer wieder untersetzt mit nervigen Soundsequenzen so dass man nicht mal dem Ende entgegenschlummern konnte. Da half es auch nicht das Scarlett Johansson die Hüllen fallen lässt… 108 Minuten ArtsyFartsy-Geschwurbel die einem vorkommen wie 4 Stunden. Aber Kunst soll ja bewegen, in diesem Fall halt rauß aus dem Saal 😉

Cold in July 7/10

Cold In July war für uns eher eine Spontanentscheidung die sich aber mehr als ausgezahlt hat. Die Verfilmung eines Joe R. Lansdale Romans ist herrlicher Pulp mit zahlreichen Wendungen. Krimi, HomeInvasion, Thriller, Rache-Epos, der Streifen springt fröhlich zwischen den Genres hin und her. Michael C. Hall mit Vokuhila ist zu Anfang zwar noch ziemlich gewöhnungsbedürftig, nach 10 Minuten hat man sich aber daran gewöhnt das hier nicht der unterkühlte Dexter am Werke ist. Neben dem tollen Soundtrack der zwischen 80er SynthieScore und CountryMucke wechselt weiß besonders Don Johnson als typisch texanischer Privatermittler zu überzeugen. Und wenn dann am Ende noch das Blut ordentlich spritzt kann man auch über die ein oder andere unglaubwürdige Charakterentwicklung hinweg sehen.

The Treatment 8/10

Meine persönliche Überraschung des FFF. Eigentlich nur als Überbrückungsfilm gedacht entpuppte sich The Treatment als ultradüsterer Thriller der wie ein regelrechter Schlag in den Magen wirkt. Harter Tobak, ultraspannend und mit dem ein oder anderen Twist. Die belgische Produktion ist aufwendig in Szene gesetzt und braucht sich vor seinen Hollywood-Kollegen nicht verstecken. Ob die Motivation des Killern nicht ein wenig überzogen ist und ob eine bestimmte Sidestory wirklich nötig war sei mal dahingestellt, der positive Gesamteindruck überwiegt!

It Follows 7/10

So einfach und doch so wirkungsvoll! Ich will gar nicht groß darüber schwärmen wie sich die Bedrohung in It Follows manifestiert um Euch nicht den Spaß zu nehmen, nur so viel: Es wird verdammt gruselig. Bis zu einer gewissen Stelle im letzten Drittel jedenfalls, da übertreiben es die Macher ein wenig und nehmen der Bedrohung etwas an Schrecken. Dieses letzte Drittel ist es auch das dem Film einen Punkt kosten und vom Hit zum „nur“ guten Streifen degradiert. Schade, denn auch abseits vom Thrill weiß It Follows durch das tolle 80er-Feeling in Look und Score zu überzeugen. Ein wenig mehr Gore hätte es dann aber schon sei dürfen, nach der deftigen Einleitung wird der Gewaltpegel rapide zurück gefahren.

Starry Eyes 3/10

Die ersten 10 Minuten sind ja noch recht unterhaltsam, danach geht es leider stetig bergab, da retten auch die teilweise wirklich schönen, an Argento erinnernden Bilder nichts mehr. Die Geschichte von Starry Eyes ist einfach zu vorhersehbar und von komplett unsympathischen Figuren getragen. Sei es nun die nölige Haupdarstellerin oder ihre komplett nervigen Freunde, man möchte die Truppe ja schon fast leiden sehen, da ist der schmierige Produzent immer noch am kurzweiligsten. Die letzten 20 Minuten ziehen sich dann wie Gummi und wandeln auf längst ausgetretenen Genrepfaden so dass ich von Starry Eyes leider nur abraten kann.

Beneath 3/10

Ok, der war eh nur als Lückenfüller gedacht, die Erwartungen waren also niedrig und wurden trotzdem enttäuscht. Auch Beneath spult eine schon 100x gesehene Geschichte ab ohne einen Ansatz von Innovation zu liefern. Das Ganze ist zwar recht hochwertig umgesetzt, Spannung kommt aber trotzdem nicht auf. Wie oft haben wir in den letzten Jahren schon eine Gruppe Menschen auf der Leinwand gesehen die auf engsten Raum eingepfercht sind und sich dann gegenseitig an die Gurgel gehen. Richtig, viel zu oft! Ich habe mir die ganze Zeit gewünscht das doch bitte endlich ein Monster hinter der nächsten Ecke hervorspringt… Das kennt man zwar auch schon zu Genüge, aber wenigstens wäre dann mal ein wenig Spaß aufgekommen.

Wolfcop 7/10

Wolfcop bietet genau das was der Trailer versprochen hat: Hirnlosen Quatsch mit viel Blut! Nach 8 Stunden Kino und einem Bierchen genau das Richtige 😉 Manch einer wird sich vielleicht an dem etwas erzwungenen „Trash“ stören, ich hatte aber meinen Spaß. Die FX sind richtig schön blutig und vor allem Handmade, wenn die Aktion dann mal losgeht zaubert es wohl jedem Trashfan ein dickes Grinsen auf’s Gesicht. Dazu gibt es viele Lacher und abstruse Situationen. Mehr davon!

WER 6/10

FoundFootage ohne Kamera… Ich mag das Genre ja, sich nur der Ästhetik zu bedienen diese aber im Film nicht zu rechtfertigen finde ich dann doch irgendwie doof. Na ja, dafür punktet WER durch eine halbwegs realistische Aufarbeitung des Werwolf-Themas, halt eher Mann als Bestie und trotzdem mit übermenschlichen Kräften. Das der Film leider zum Ende hin etwas an Drive verliert und dazu noch mit einem völlig unnötigen Twist aufwartet trübt den ansonsten recht guten Eindruck ein wenig. Durch die halbwegs frische Grundidee schafft es WER aber noch knapp über das Mittemaß.

What We Do In The Shadows
9/10

Da ist es endlich, mein absolutes Highlight des diesjährigen Festivals. Lange habe ich schon nicht mehr einen kompletten Film konsequent durchgelacht. What We Do In The Shadows ist eine herrliche Mockumentary über eine Vampir-WG die einfach nur unglaublich lustig ist und wunderbar frisch rüberkommt. Kauzig-Sympathische Charaktere, massig Filmreferenzen und haufenweise absurde Ideen machen den Streifen zum absoluten MustSee! Schön zu sehen das er es unter dem etwas unglücklichen Namen „4 Zimmer, Küche, Sarg“ auch in die deutschen Kinos schaffen wird, wobei er wohl ohne O-Ton einiges an Stimmung verlieren wird.

Stage Fright 3/10

Slasher trifft Disney-Musical… Eigentlich eine vielversprechende Idee wenn man denn halbwegs mit Musikeinlagen leben kann. Stage Fright bringt das HighSchoolMusical-Feeling nahezu perfekt rüber und „garniert“ dieses immer mal wieder mit viel schwarzem Humor! Leider nimmt der Film nach dem netten Anfang erstmal ordentlich an Tempo rauß und drückt erst zum Ende wieder auf’s Gas! Soll heißen bestimmt 40 Minuten (die einem vorkommen wie 2 Stunden) muss man ohne Slasher-Aktion auskommen. Das Ende ist dann leider viel zu einfach gestrickt und auch der erhoffte Gore-Exzess bleibt aus. Stage Fright ruht sich zu sehr aus seiner Grundidee aus, hätten die Macher sich ein wenig mehr ins Zeug gelegt hätte da wohl richtig was draus werden können. So bleiben einem letztendlich nur die nervigen Ohrwürmer im Gedächtnis.

The House At The End Of Time
2/10

Langweilig… Es lohnt nicht da mehr Worte drüber zu verlieren.

The Brotherhood of Tears 7/10

Sehr mainstreamiger, hochwertig produzierter Thriller der aber kontinuierlich zu unterhalten weiß und keine Langeweile aufkommen lässt. Es macht einfach Spaß dem Protagonisten zu folgen wie er sich immer tiefer in einer Organisation verstrickt die weder er noch der Zuschauer durchblickt.

Killers und Among the Living hatte ich auch noch gesehen, die bekommen aber eine etwas längere Besprechung spendiert. Generell war das Fantasyfilm Fest mal wieder ein riesen Spaß, der Wegfall der Doppel-Screenings hat mir als Besucher der nur einige Tage vor Ort ist allerdings nicht so gut gefallen. Die Auswahl ist so doch ein ganzes Stück eingeschränkter. Klasse fand ich hingegen das es fixe Platzkarten gab, so bleibt das Gedränge am Einlass und der Kampf um die besten Sitze aus. Was mir leider mehr als negativ aufgefallen ist das mittlerweile auch das FFF nicht mehr von Laberidioten verschont bleibt. Es gab fast keine Vorstellung in der hinter/neben/vor uns nicht lauthals gequatscht wurde. Sehr ärgerlich, vielleicht werde ich nächstes Jahr dann doch den Baseball-Schläger mit einpacken 😉