Big Bad Wolves

Wolves

Der Schullehrer Dror steht unter Verdacht ein Kinderschänder und –mörder zu sein, aus Mangel an Beweisen bleibt der Polizei aber nichts anderes übrig als ihn wieder laufen zu lassen. Das hält den suspendierten Cop Miki und Gidi, der Vater eines der Opfer, aber nicht davon ab Dror zu entführen und in ein abgelegenes Blockhaus zu verschleppen. Hier will man unter Folter ein Geständnis aus ihm herauspressen, aber sitzt hier wirklich der Schuldige gefesselt im Keller?

Als ich letztes Jahr die Filmauswahl des Fantasyfilm Festes durchgegangen bin, stieß ich auf den Trailer zu Big Bad Wolves und war davon schon richtig begeistert. Als es dann auch noch nahezu überwiegend positive Kritiken hagelte fieberte ich zähneknirschend einer Veröffentlichung entgegen. Seit dem 17.01 ist der Film nun auf ITunes US als VOD verfügbar, also ließ ich mein Dorf-DSL glühen und schaufelte mir die 4 GB auf die Festplatte.

An sich ist die Story ja nichts wirklich neues, Revenge-Filme in denen Cops/Opfer das Gesetz selbst in die Hand nehmen gibt es wie Sand am Meer, was Big Bad Wolves davon abhebt ist sein eigenständiger Stil und Look der sich angenehm vom europäischen und amerikanischen Einheitsbrei abhebt. Unsere Antihelden sind endlich mal nicht die sprüchereißenden Schönlinge sondern teilweise mittevierziger mit Wampe und Halbglatze. Nur der potentielle Pädophile wirkt ein klein wenig stereotyp und so wie ihn sich ein grossteil der Stammtischbürgerschaft wohl vorstellt.

Big Bad Wolves ist ein Film der den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitnimmt. Fiebert man nun mit dem Brutao-Cop, dem auf Rache sinnenden Vater oder doch dem (evtl.?!) unschuldigem Folteropfer mit? Kann man die Methoden der beiden Männer nachvollziehen oder möchte man sich lieber angewiedert abwenden? Überhaupt schafft es der Film trotz seiner extrem drastischen Thematik dem Zuschauer auf Grund seiner Situationskomik immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Wenn Gidis Handy klingelt während er gerade dabei ist Dror die Finger zu brechen und er nun erst einmal seine besorgte Mutter abwimmeln muss ist das nicht nur witzig sondern ermöglicht es einem auch sich etwas von den fiesen Torture-Sequenzen zu erholen. Diese sind zwar nicht wirklich plakativ splatterig, tun aber vielleicht gerade deswegen nahezu physisch weh. Einen Release hier in Deutschland kann ich mir deswegen und auf Grund der Selbstjustiz-Thematik nicht so ohne weiteres vorstellen.

Der einzige Kritikpunkt den ich habe ist das Ende auf das ich im Spoiler-Bereich weiter unten etwas näher eingehen werde. Dieses fiel mir persönlich einfach etwas zu plump aus und hätte irgendwie pfiffiger sein müssen. Trotzdem hat Big Bad Wolves die hohen Erwartungen nahezu komplett erfüllt. Jedem der jetzt neugierig geworden ist empfehle ich bei ITunes US vorbeizusurfen, eine Disc-VÖ mit englischen UTs ist leider noch nicht in Sichtweite.

Punke: 8 von 10

Spoiler (zum lesen einfach markieren):

Wie gesagt fand ich das man sich das Ende ein wenig zu einfach gemacht hat, das Dror nun doch der Killer war wirkte meiner Meinung irgendwie billig. Noch schlimmer, die Polizei die sein Haus durchsucht entdeckt nichtmal den geheimen Raum mit dem eingesperrten Mädchen. Mir hätte es besser gefallen wenn man sich die letzte Einstellung gespart hätte und das Ende damit mehr oder weniger offen geblieben wäre. Überhaupt geht Big Bad Wolves etwas undifferenziert mit dem Thema Selbstjustiz und Folterung um. Wenn man möchte könnte man sogar in letzter Konsequenz die Befürwortung solcher Praktiken aus dem Film herauslesen. Mir persönlich haben die 1 1/2 Stunden trotzdem viel Spaß gemacht, moralisch Hintergedanken kamen mir währenddessen nicht, dafür war ich viel zu sehr am mitfiebern.

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Veröffentlicht am 19. Januar 2014 in Film-Reviews und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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