Archiv für den Monat Januar 2014

Cabin Fever 3 – Patient Zero

Nachdem in einer kleinen Kolonie ein tödliches (das Fleisch vom Körper fressendes) Virus ausgebrochen ist wird der einzigste Überlebende zu Forschungszwecken in eine Wissenschaftsstation auf einer abgelegenen Insel verfrachtet. Doch wie sollte es anders sein kommt es zu Katastrophe und die Krankheit bricht aufs neue aus. Zu blöd das Zeitgleich 4 Jugendliche einen Junggesellenabschied am Strand feiern wollen und natürlich nicht lange unbehelligt bleiben.

Cabin Fever wurde 2002 auf die hungernde Horrorgemeinde losgelassen und schlug (wobei der Film allenfalls nett ist) doch ziemlich ein. Nebenher begründete er auch den Grundstein von Eli Roths Karriere der, warum auch immer, mittlerweile ein recht hohes Ansehen im Genre genießt. Auf jeden auch nur halbwegs erfolgreichen Film folgt eine Fortsetzung, so auch 2009 mit Cabin Fever 2. Leider gehört Teil 2 mit zu den größten Gurken der Filmgeschichte für die sich Ti West zu Recht auch heute noch entschuldigt (ok ok, das Studio scheint ihm auch derbe dazwischen gefunkt zu haben). 2013 folgte nun der bis dato dritte Ableger Patient Zero, der im Vorfeld im Netz schon genüsslich zerrissen wurde.

Cabin Fever 3 stand also unter keinem wirklich guten Stern, um so überraschender das der Film mit einer ziemlich stylischen SlowMotion-Sequenz startet. Und der positive Eindruck bleibt auch nach dem Intro bestehen, keine Spur von dem erwarteten LowBudget-Look und dazu noch Sean Astin (Sam aus Herr der Ringe) als titelgebender Patient Zero. Nach dem fetzigen Anfang schaltet Cabin Fever 3 aber erstmal wieder einen Gang zurück und führt in aller Ruhe seine Charaktere ein. Die Handlung springt dabei immer wieder zwischen der unterirdischen Forschungsstation (in der es auch ab und an etwas Aktion gibt) und dem Junggesellen-Ausflug auf der (vermeintlich) verlassene Insel. Die Szenen mit den Teens sind leider etwa arg beliebig und die 3 Typen nebst Schnuckie-Anhang weder interessant noch sympathisch. Aber mal ehrlich, wie oft trifft man in einem Horror-B-Movie auf Charaktere die man wirklich mag. Nach 30 Minuten hat sich das erste Großmaul dann auch endlich infiziert und das langsame Zerfallen kann beginnen. Das passiert herrlich ekelig und blutig! Pusteln die aufplatzen, Haut die sich vom Körper schält und ein BlutEiter-Gemisch das im weiten Strahl erbrochen wird. Jep, Cabin Fever 3 ist als Film zum Abendessen eher ungeeignet. Highlight ist wohl ein Catfight bei dem sich die Mädels statt ihrer Kleider die Haut vom Leib reißen 😀

So wirklich spannend ist das alles zwar nicht, dafür aber recht unterhaltsam. Wird gerade mal nicht gesplattert, dann wird die Zeit mit teilweise strunzdoofen Dialogen überbrückt („Baby, I think you’re really sick!“ während die Herzallerliebste förmlich auseinanderfällt) oder neue Virus-Facts im Labor aufgedeckt. Überraschenderweise gibt es so gut wie keinen Sex, Bikini-Girls sind hier schon das höchste der Gefühle… Eher ungewöhnlich für solch eine Produktion. Das Ende bleibt dann natürlich erwartungsgemäß offen und arbeitet auf den bereits angekündigten 4 Teil hin.

Cabin Fever 3
ist bei weitem keine Genreoffenbarung, aber immerhin recht kurzweilge Horrorunterhaltung. Auf Grund der eher niedrigen Erwartungen also eine wahre Überraschungen und genau das richtigen für den nächsten B-Movie Abend. Cabin Fever 3 erscheint am 06.02 auf DVD, BD und 3D-BD.

Punkte: 6 von 10

Vielen Dank an Tiberius Film für die freundliche Bereitstellung der Rezensions-DVD!

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Big Bad Wolves

Wolves

Der Schullehrer Dror steht unter Verdacht ein Kinderschänder und –mörder zu sein, aus Mangel an Beweisen bleibt der Polizei aber nichts anderes übrig als ihn wieder laufen zu lassen. Das hält den suspendierten Cop Miki und Gidi, der Vater eines der Opfer, aber nicht davon ab Dror zu entführen und in ein abgelegenes Blockhaus zu verschleppen. Hier will man unter Folter ein Geständnis aus ihm herauspressen, aber sitzt hier wirklich der Schuldige gefesselt im Keller?

Als ich letztes Jahr die Filmauswahl des Fantasyfilm Festes durchgegangen bin, stieß ich auf den Trailer zu Big Bad Wolves und war davon schon richtig begeistert. Als es dann auch noch nahezu überwiegend positive Kritiken hagelte fieberte ich zähneknirschend einer Veröffentlichung entgegen. Seit dem 17.01 ist der Film nun auf ITunes US als VOD verfügbar, also ließ ich mein Dorf-DSL glühen und schaufelte mir die 4 GB auf die Festplatte.

An sich ist die Story ja nichts wirklich neues, Revenge-Filme in denen Cops/Opfer das Gesetz selbst in die Hand nehmen gibt es wie Sand am Meer, was Big Bad Wolves davon abhebt ist sein eigenständiger Stil und Look der sich angenehm vom europäischen und amerikanischen Einheitsbrei abhebt. Unsere Antihelden sind endlich mal nicht die sprüchereißenden Schönlinge sondern teilweise mittevierziger mit Wampe und Halbglatze. Nur der potentielle Pädophile wirkt ein klein wenig stereotyp und so wie ihn sich ein grossteil der Stammtischbürgerschaft wohl vorstellt.

Big Bad Wolves ist ein Film der den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitnimmt. Fiebert man nun mit dem Brutao-Cop, dem auf Rache sinnenden Vater oder doch dem (evtl.?!) unschuldigem Folteropfer mit? Kann man die Methoden der beiden Männer nachvollziehen oder möchte man sich lieber angewiedert abwenden? Überhaupt schafft es der Film trotz seiner extrem drastischen Thematik dem Zuschauer auf Grund seiner Situationskomik immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Wenn Gidis Handy klingelt während er gerade dabei ist Dror die Finger zu brechen und er nun erst einmal seine besorgte Mutter abwimmeln muss ist das nicht nur witzig sondern ermöglicht es einem auch sich etwas von den fiesen Torture-Sequenzen zu erholen. Diese sind zwar nicht wirklich plakativ splatterig, tun aber vielleicht gerade deswegen nahezu physisch weh. Einen Release hier in Deutschland kann ich mir deswegen und auf Grund der Selbstjustiz-Thematik nicht so ohne weiteres vorstellen.

Der einzige Kritikpunkt den ich habe ist das Ende auf das ich im Spoiler-Bereich weiter unten etwas näher eingehen werde. Dieses fiel mir persönlich einfach etwas zu plump aus und hätte irgendwie pfiffiger sein müssen. Trotzdem hat Big Bad Wolves die hohen Erwartungen nahezu komplett erfüllt. Jedem der jetzt neugierig geworden ist empfehle ich bei ITunes US vorbeizusurfen, eine Disc-VÖ mit englischen UTs ist leider noch nicht in Sichtweite.

Punke: 8 von 10

Spoiler (zum lesen einfach markieren):

Wie gesagt fand ich das man sich das Ende ein wenig zu einfach gemacht hat, das Dror nun doch der Killer war wirkte meiner Meinung irgendwie billig. Noch schlimmer, die Polizei die sein Haus durchsucht entdeckt nichtmal den geheimen Raum mit dem eingesperrten Mädchen. Mir hätte es besser gefallen wenn man sich die letzte Einstellung gespart hätte und das Ende damit mehr oder weniger offen geblieben wäre. Überhaupt geht Big Bad Wolves etwas undifferenziert mit dem Thema Selbstjustiz und Folterung um. Wenn man möchte könnte man sogar in letzter Konsequenz die Befürwortung solcher Praktiken aus dem Film herauslesen. Mir persönlich haben die 1 1/2 Stunden trotzdem viel Spaß gemacht, moralisch Hintergedanken kamen mir währenddessen nicht, dafür war ich viel zu sehr am mitfiebern.

Here Comes The Devil

Eine Familie macht einen Ausflug in die ländliche Vorstadtgegend irgendwo in Mexiko. Während die Eltern sich zu einer spontanen Liebelei ins Auto zurückziehen, verschwinden die Kinder in den Hügeln. Nach erfolgloser Suche wird die Polizei verständigt, doch die wird erst am nächsten Tag mit Ihren Ermittlungen beginnen. Nach einer nahezu schlaflosen Nacht im Hotel werden die Kids am nächsten Morgen von den Beamten aufgegabelt und wieder an die überglücklichen Eltern übergeben. Doch schnell stellt sich herauß das irgendetwas in dieser Nacht passiert sein muss, denn die beiden Geschwister beginnen sich mehr als seltsam zu benehmen.

So richtig überrascht wird man mittlerweile von einem Film ja nur noch selten. Bis der Streifen dann endlich im Player landet hat man im Internet schon diverse Meinungen darüber gelesen, Trailer ausgecheckt und Reviews in den einschlägigen Magazinen gesichtet. Man weiß also meistens recht genau was auf einen zukommt. Bei Here Comes The Devil war das bei mir anders, hatte ich doch gedacht das mich hier ein Vertreter des FoundFootage-Genres erwartet dessen Trailer mir vor einigen Wochen auf YouTube über den Weg gelaufen ist. Zugegebenermaßen war ich anfangs etwas enttäuscht, als Here Comes The Devil im „normalen“ Look über den Bildschirm flimmerte und dazu noch etwas nach LowBudget aussah.

Doch was soll’s, die UK-DVD war bezahlt, da muss man nun durch. Here Comes The Devil als rohen Diamanten zu bezeichnen ist nun vielleicht etwas übertrieben, der Film besitzt aber einfach angenehme Ecken und Kanten die bei vergleichbaren Produktionen aus Amerika und Europa mittlerweile oft fehlen. Die Story macht immer wieder kleinere Sprünge die teilweise konfus wirken, dafür dem Film aber eine gewisse Unberechenbarkeit verleihen die keine Langeweile aufkommen lassen. Vermutet man am Anfang noch das sich das Ganze in die typische Besessen-Richtung bewegt, vermeidet es Here Comes The Devil die ausgetretenen Pfade des Genres zu beschreiten. Auch die Schauspieler agieren teilweise etwas hölzern (besonders die Kinder überzeugen nicht wirklich, kommen aber trotz der zentralen Rolle nur am Rande vor), schaffen es aber Ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Man hält sich nicht lange damit auf das offensichtliche zu leugnen sondern ergreift die Initiative. Minutenlange Dialoge a la „Ach, da ist schon nichts!“ bleiben dem Zuschauer erspart.

Man merkt der mexikanischen Produktion an allen Ecken und Enden dass das Budget nicht all zu hoch war. Die Effekte sind zweckmäßig aber nicht wirklich auf der Höhe der Zeit. Das macht aber gar nichts, trägt es doch genauso zum Charme bei wie die Kamera die mit ihren dauernden Zooms auf die Gesichter der Protagonisten ein angenehmes 80er-Feeling aufkommen lässt. Generell hätte der Film auch aus diesem glorreichen Zeiten des Horrorgenres stammen können. Hier wird nicht alles x-fach durchgekaut sondern auch mal die ein oder andere Frage offen gelassen. Blut fließt eher in gemäßigten Mengen, allerdings wird dem Zuschauer in der Mitte des Films eine Gore-Sequenz vor den Latz geknallt der mich durch seine Drastik doch mit leicht offenem Mund zurückgelassen hat.

Nachdem ich gerade etwas im Netz recherchiert habe konnte ich mit Freude feststellen das Here Comes The Devil diverse Preise (u.a. Bester Film) auf dem Fantastic Fest in Texas einheimsen konnte. Hier jetzt von einem Geheimtip zu sprechen trifft es also wohl nicht mehr so ganz 😀 Vielleicht ist dies ja auch ein potentieller Kandidat für die FFF-Nights im Frühjahr. Horrorfans kann ich den Film nur wärmstens Empfehlen. Die UK-DVD (eine BD-VÖ gibt es in England leider mal wieder nicht) ist günstig auf Amazon.co.uk haben, außerdem bietet ITunes-US eine VOD-Variante an. Über einen deutschen Release konnte ich noch nichts finden.

Punkte: 7 von 10

Der Hobbit – Smaugs Einöde

The-Hobbit-Desolation-of-Smaug-Poster

Als großer Mittelerde-Fan habe ich mich nach dem nur netten ersten Teil doch schon etwas auf das große Aufeinandertreffen mit Smaug gefreut. Um es Vorweg zu nehmen, als reiner Fantasyfilm ist Smaugs Einöde ganz unterhaltsam, als Buchumsetzung gesehen war ich allerdings recht enttäuscht. Jackson hat Änderungen vorgenommen die ich einfach nicht nachvollziehen kann. Beorn zum Beispiel, eine Figur mit so viel Potential die man auch spektakulär in Szene setzen könnte bekommt einen Auftritt von gefühlten 2 Minuten. Dafür musste der blöde Legolas als Fanservice mit einer absolut unbedeutenden Sidestory in den Film integriert werden und bekommt viel zu viel Screentime. Genauso wie seine Elfenfreundin, der eine aufkeimende Liebschaft zu einem Zwerg von den Drehbuchautoren zugeschrieben wurde. Langweilig und unnötig. Große Teile des Films wirken einfach nur gehetzt! Nachdem man sich im ersten Teil mit dem etwas gemächlichen Anfang doch zu viel Zeit genommen hat hetzen Bilbo und die Zwerge hier von einer Aktionsequenz zur nächsten. Leider sind diese Aktioneinlagen teilweise etwas zu zäh und langweilig geraten. Ich denke da zum Beispiel an die Flussfahrt in den Fässern und das Katz und Maus-Spiel zwischen den Zwergen und Smaug. Toll dagegen waren die Spinnenszenen im Nachtwald und Bilbos Dialog mit dem Drachen.

In all der Hektik kommt das epische Ausmaß der Reise komplett zu kurz! Das Ganze fühlt sich eher wie ein Sonntagsspaziergang an. Als die Zwerge z.B. in der Seestadt ankommen schaffen sie den Aufstieg zum Berg innerhalb eines Tages. Mal eben so, mit den kleinen Stummelbeinchen… So fühlt sich einfach der ganze Film an. Am schlimmsten ist aber das Sauron nun scheinbar eine tragende Rolle spielen wird! Warum?! Im Buch ist von ihm nur am Rande die Rede und in den Herr der Ringe Filmen wird nie darauf Bezug genommen das man sich „vor kurzer Zeit“ ja schon mal getroffen hat. Ist doch auch absolut unnötig, warum hat man nicht einfach einen mächtigen Nekromanten genommen wie es im ersten Teil angedeutet wird. Auch hier sehe ich wieder nur plumpen Fanservice, der evtl. die Kontinuität der Filme durcheinander bringt! Mal schauen wie man diese Storyline im dritten Hobbit-Film zu Ende bringt.

Bei all der Nölerei hat Smaugs Einöde natürlich auch gute Seiten. Kostüme, Effekte und Sets sind mal wieder großartig und lassen den Zuschauer erneut in eine fremde Welt eintauchen. Außerdem macht es einfach Spaß Martin Freeman als Bilbo zu sehen, der Mann ist nun mal Ur-Sympathisch. Die meisten Zwerge und auch der von Luke Evans verkörperte Bard bleiben dafür größtenteils eher blass. Das klare HFR-Bild gefällt mir im übrigen auch sehr gut, genauso wie die 3D-Effekte.

Vielleicht hänge ich zu sehr am Buch oder erwartete erneut ein Meisterwerk wie Herr der Ringe, aber Smaugs Einöde schafft bei mir nur ganz knapp den Sprung übers Mittelmaß.

Punkte: 6 von 10