Archiv für den Monat November 2013

Return to Nuke’em High Vol.1

Return

„Go green!“ ist das neuste Motto von Tromaville und statt Atommüll gibt es nun also Veggi-Food. Doch natürlich treiben die reichen Geldsäcke im Hintergrund weiter ihr böses Spiel und so kommt es das mal wieder Giftmüll in den vegetarischen Tacos der örtlichen Highschool landet. Das fällt zuerst auch niemanden wirklich auf, bis der Schulchor sich in einen Haufen gewaltgeiler Rowdys verwandelt. Die Cretins sind wieder da und die Jagd auf Mitschüler und Lehrer ist eröffnet.

Hell yeah, endlich steht ein neuer Troma-Film in den Startlöchern und das kommt nun wahrlich viel zu selten vor, dementsprechend groß war die Vorfreude. Die stieg sogar noch an als sich heraußstellte das es sich um eine Fortsetzung der beliebten Nuke’em High Filme handelt. Nachdem Return to Nuke’em High nun seit geraumer Zeit die Filmfestivals dieser Erde unsicher gemacht hat, hatte ich auf dem diesjährigen Weekend of Horrors auch endlich die Gelegenheit einen Blick darauf zu werfen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich war ein wenig enttäuscht, von Meilensteinen des schlechten Geschmackes wie den Toxic Avenger Filmen oder Terror Firmer ist Return leider ein ganzes Stück entfernt. Trotzdem fühlt man sich als Kenner der Vorgänger direkt heimisch, die Musik ist gewohnt fetzig und die Statisten hampeln im Hintergrund umher wie eh und je. Auch wird in einer kurzen Rückblende (die Hauptsächlich aus Brüsten besteht) schnell rekapituliert was bis jetzt in Tromavilles schrägster Schule so passiert ist, wirklich wichtig ist das für die nachfolgenden 90 Minuten freilich nicht. Allerdings beginnen hier auch schon die ersten Nervfaktoren aufzutreten, jeder halbwegs wichtige Charakter wird nämlich mit Standbild, Fanfare und kurzem Erklärtext eingeführt sobald er auf der Bildfläche erscheint. Das ist bei den ersten 3-4 Malen ja noch ganz witzig, wird dann aber viel zu exzessiv verwendet. Vielleicht war dieses übertreiben auch mal wieder Absicht, bei mir hat es jedenfalls nicht gezündet. Das trifft leider auch auf die Charaktere zu bei denen es etwas dauert bis man mit ihnen warm wird. Klaro, Tromatypisch sind die natürlich allesamt komplett überzogen und die Schauspieler overacten was das Zeug hält, so richtig witzig sind die meisten aber nicht. Das gilt leider auch für die Cretins, die dieses mal aus Mitgliedern des Schulchors bestehen die in Berührung mit Giftmüll kamen und dadurch mutiert sind. Ihr könnt es Euch wohl schon denken… Gewalttätiger Schulchor = Gesangseinlagen = Nerv.

Mehr noch als in allen anderen Troma-Filmen fühlt sich Return irgendwie zusammengestückelt an. War ein gehöriger Schuss Anarchismus gerade das was die Vorgängerfilme so reizvoll gemacht hat, wirkt Return in vielen Szenen geradezu konfus. Da hat der gute Lloyd Kaufmann in seiner langjährigen Karriere schon ein besseres Händchen für die Regie gehabt. „Schlechte Schauspieler, holprige Regie… Idiot, das muss so sein, ist ja schließlich ein Troma-Film.“ Höre ich jetzt schon viele vor ihren Bildschirmen murmeln. Aber lasst Euch gesagt sein das ich ein großer Fan der Independent-Schmiede bin und glaube zu wissen wie ich einen Troma-Film zu nehmen habe. Die Mischung scheint bei Return einfach nicht zu passen. Klar es gibt natürlich einige Gewaltszenen und jede menge Schleim zu sehen, aber bei weitem nicht in den Außmaßen eines Toxic Avenger 4 oder Terror Firmer. Dafür bekommt man gefühlt alle 5 Minuten eine Sexszene vorgesetzt so dass man sich wundert wie schnell man sich doch an Brüsten satt sehen kann. Und ob man denn nahezu jede Bewegung mit einem Furz-, Plopp- oder Boing-Geräusch unterlegen muss sei auch mal dahin gestellt.

Das hört sich nun vielleicht alles arg negativ an, trotzdem macht Return eine Menge Spaß und ist noch 1000x frischer als alles was sonst so an Independent-Filmen raußgerotzt wird. Warum man aber unbedingt einen Zweiteiler darauß machen musste und Vol.1 ziemlich abrupt endet bleibt mir ein Rätsel. Doch immerhin können wir dadurch hoffen das Vol. 2 wieder etwas mehr anzieht und zu alten Tugenden zurück findet.

Punkte: 6 von 10

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Ikea Trailer

Nach dem Magenschwinger A Serbian Movie kommt nun die noch grausamere Fortsetzung A Swedish Movie (bei uns wohl unter dem nichtssagenden Titel Ikea in den Kinos)!

Blutgletscher Trailer

Oh man, ein deutschsprachiger Genre Beitrag der mal nicht direkt zum fremdschämen aussieht. Was good old Germany einfach die nicht hinbekommt könnte jetzt vielleicht unseren Nachbarn aus Österreich gelingen. Die Macher von In 3 Tagen bist Du tot präsentieren hier ein astreines Creature-Feature mit TheThing-Anleihen das im Trailer richtig gut aussieht. Blutgletscher (oder The Station im englischen) sollte man wohl tatsächlich im Auge behalten.

The Green Inferno Teaser

Keine Ahnung warum, aber immer wenn der Name Eli Roth ins Spiel kommt steigen meine Erwartungen… Zugegeben, mal wieder einen Kannibalenfilm der im Dschungel spielt zu sehen hätte schon was und der erste Teaser zu The Green Inferno kommt schon dreckig rüber. Vielleicht haben wir ja Glück und jetzt da Roth mal wieder direkt auf dem Regiestuhl platz genommen hat kommt etwas vernünftiges dabei rauß. Wobei, so die Überfilme waren Hostel und Cabin Fever auch nicht…

You’re Next

Next

Die wohlhabende Familie Davison trifft sich auf ihrem ausladenden Anwesen um endlich mal wieder zusammen zu feiern. Für Erin die Ihren Freund Crispian Davison begleitet ist es die erste Begegnung mit der teilweise etwas exzentrischen Sippe, doch größtenteils wird sie herzlich aufgenommen. Die Stimmung scheint etwas angespannt zu sein, allerdings sind die kleineren Streitereien unter Brüdern schnell vergessen, als der Schwager in Spe mit einem Pfeil im Kopf zu Boden sinkt. Ein Gruppe mit Tiermasken vermummter Killer belagert das Haus und es scheint keinen Ausweg zu geben. Doch gut das mit Erin jemand in der Gruppe ist die sich nicht im hysterischen Schreien verliert und zum Gegenschlag ausholt.

Lange hat es gedauert bis Lionsgate You’re Next endlich auch auf das normale Kinopublikum losgelassen hat. Doch das warten hat sich gelohnt, handelt sich hier zwar nicht um die Revolution im Slasher-Genre, letztendlich aber um eine liebevolle Verneigung vor den immer gleichen Abläufen und Motiven.

Nachdem im Intro der erste saftige Kill präsentiert wird schaltet You’re Next erst einmal einen Gang zurück und führt in den nächsten 30 Minuten die Familie Davison samt Anhängen ein. Diese könnten direkt aus der TommyHilfiger-Werbung entsprungen sein und offensichtlich schlummert hinter den aufgesetzten Lächeln ordentlich Konfliktpotential. Die gutmütige Erin wirkt fast wie ein Fremdkörper und gibt damit die perfekte Identifikationsfigur für den Zuschauer ab. Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg dass die restlichen Figuren relativ blaß bleiben und es dem Kinopublikum egal ist wer hier wann drauf geht. Ist aber auch schnuppe da sich der Film ab der Hälfte eh fast komplett auf Erin fokussiert. Im letzten Drittel wird einem dann noch der obligatorische Twist aufgetischt, der jedoch auch nicht wirklich zu überraschen vermag.

Die mit Tiermasken vermummten Angreifer wirken zu Anfang noch bedrohlich und fast ein wenig mystisch, sobald Erin aber zur Einzelkämpferin mutiert wird man sich ihrer Menschlichkeit nur all zu bewusst. Im Gegensatz zu den Gegenspielern in anderen Produktionen stecken die Killer Schläge und Stiche nicht so einfach weg, sondern werden dadurch entsprechend beeinträchtigt. Schön dass hier mal nicht die unkaputtbaren Kampfmaschinen a la Jason und Co. zu werke gehen. You’re Next bleibt trotzdem spannend und beklemmend da die Angreifer gut ausgerüstet und organisiert sind. Die FSK18-Freigabe ist dabei absolut gerechtfertigt, Äxte und Armbrustbolzen werden in Köpfe gerammt und die ein oder andere Kehle aufgeschlitzt. Das geschieht schön blutig ohne jedoch übertrieben selbstzweckhaft zu wirken.

Bis jetzt haben wir also eine unterhaltsame Mischung aus HomeInvasion-Movie und Slasher, was You’re Next aber so besonders macht ist diese feine Prise Humor! Dankenswerterweise kommt die Komik hier nicht mit dem Holzhammer und unter der Gürtellinie sonder recht subtil. Das allzumenschliche Verhalten der Killer wenn sie ausgeknockt werden; das immer gleiche Lied das wegen gedrückter Repeat-Taste im Nachbarhaus spielt; Erins pfiffige aber doch realistischen Fallen; der ein oder andere Schmunzler ist wohl garantiert.

You’re Next ist einer dieser Filme die seinem Hype absolut gerecht werden. Vielleicht kein unbedingtes Muss im Kino, aber spätestens bei einem Disc-Release sollte jeder Genre-Fan (und vielleicht auch die die es nicht sind) einen Blick riskieren.

Punkte: 8 von 10