Antiviral

Eine Welt in einer scheinbar nicht all zu weit entfernten Zukunft… Der Starkult hat ein neues hoch erreicht, neben künstlich hergestellten Steaks die auf der DNA der Promis beruhen sind die Krankheiten der Medien-Idole der neuste Schrei. Das neuste Popsternchen hat eine agressive Grippe, kein Problem, um sich sich seinen Star näher zu fühlen kann man sich nun auch damit infizieren lassen. Syd arbeite für so einen Konzern und schwatzt seinen Kunden wie ein Versicherungsmakler die neusten Krankheiten auf. Doch zufällig wird Syd dann in eine Verschwörung verwickelt die ihn an seine körperlichen und geistigen Grenzen bringt.

„Der Sohn von David Cronenberg dreht seinen eigenen ersten Film!“… Eine Meldung die das Internet jetzt noch nicht unbedingt in kollektive Ekstase versetzt hatte. Als dann allerdings der erste Trailer zu Antiviral auf YouTube auftauchte war die Aufmerksamkeit der meisten Genrefans geweckt. Nachdem die UK-DVD (eine BD gibt es leider noch nicht) nun schon seit längerer Zeit im Regal lag, habe ich mir dann doch endlich mal ein Herz gefasst und die Scheibe in den Player geschoben.

Tja, wo soll ich nur anfangen? Es ist beängstigend wie gut Brandon Cronenberg das Erbe seines Vaters antritt! Antiviral ist der beste Bodyhorror der seit zig Jahren über meinen Bildschrim geflimmert ist. Großaufnahmen von Kanülen die in Venen eingeführt werden, blutiger Auswurf auf den Lippen schöner Frauen und die Faszination eines agressiven Herpes. Das alles eingefangen in Bildern in der die Farbe Weiß fast schon schmerzhaft dominant ist. Aber was gibt es schöneres als dunkelrotes Blut auf hellem Grund? So erzeugt Antiviral zwischen all dem Ekel nahezu poetische Bilder in klinisch steriler Atmosphäre! Und wo wir gerade bei Atmosphäre sind, die ist bei Brandon ähnlich kühl wie bei den frühen Filmen seines Vaters. Wirkliche Sympathieträger gibt es in Antiviral nicht, Hauptdarsteller Syd ist ein Ekel der Krankheiten gewissenlos an seine Kunden verkauft und sich die Bakterien sogar selber spritzt um sie auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Syd durchlebt trotz seiner alptraumhaften Odyssee keine Läuterung, was eine Identifikation mit ihm doch ziemlich erschwert.

Generell hatte ich so meine Bedenken ob die Story von Antiviral überhaupt funktionieren könnte. Eine Welt in der der Fankult so groß geworden ist das sich die Groupies sogar mit deren Krankheiten anstecken lassen um sich ihnen näher zu fühlen… Doch Cronenberg schafft es ein Universum zu kreieren das scheinbar gar nichtmal so weit weg von unserem ist und dadurch bedrückend realistisch rüberkommt. Wenn man bedenkt wie Stars heutzutage schon vergöttert werden ist der kranke (im wahrsten Sinne des Wortes) Kult um die Promis aus Antiviral schon fast nachvollziehbar. Die Darstellung dieser Welt ist für mich die größte Stärke des Films, der Thriller der nach 20 Minuten einsetzt ist da schon fast nebensächlich, wenn auch nicht wirklich unspannend.

Antiviral
ist bestimmt kein einfacher Film und recht weit ab vom Mainstream. Teilweise fühlt man sich als Zuschauber nahezu selber körperlich krank während man den Geschehnissen auf dem Bildschirm folg. Eine krude Mischung aus Bodyhorror, Thriller und einer Prise Arthouse die bestimmt nicht jedem gefallen wird aber ein äußerst originelles Filmerlebniss bietet.

Bravo, Brandon Cronenberg, ich kann es kaum erwarten mehr von Ihnen zu sehen.

Punkte: 8 von 10

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Veröffentlicht am 21. Juli 2013 in Film-Reviews und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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