American Mary


Die junge Medizinstudentin Mary benötigt dringend Geld und versucht einen Job in einem Stripclub zu ergattern. Doch das Bewerbungsgespräch verläuft anders als gedacht und am Ende des Abends steht Mary im Keller des Clubs und flickt einen verwundeten Gangster zusammen. Ihre Eintrittskarte in die Unterwelt in der sie bald zu einer gefragten Person in der BodyMod-Szene aufsteigt. Aber Mary hat auch noch ein Hühnchen mit alten Feinden zu rupfen und dabei kommt ihr das Talent für chirurgische Operationen mehr als gelegen!

Mittlerweile ist es ja schwer sich von einem Film noch überraschen zu lassen, über Trailer und Reviews weiß man meistens schon sehr genau was auf einen zukommt. Bei American Mary hatte ich das Glück bis auf einige positive Tweets nichts näheres darüber gelesen oder gesehen zu haben. Und so kam es dazu dass mich ein Horrorfilm nach langer Zeit endlich mal wieder richtig überrascht hat.

American Mary ist quasi eine kleine Wundertüte von einem Film, es gibt viel zu entdecken und gekonnt umschiffen die beiden Regisseurinnen Jen und Sylvia Soska all zu gängige Genre-Klischees. Auch der Grundtenor des Films ändert sich immer mal wieder, wechseln sich doch teilweise amüsante Szenen mit ziemlichen Magenschwingern ab. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer weiter und wirklich jede Figur scheint auch seine dunkle Seite zu haben. Bis auf wenige Außnahmen zeigen dafür aber auch vermeintlich böse Charaktere ihre positive Seite und so kann es dann schon mal sein das ein hühnenhafter Schläger aus der Stripbar der verstörten Mary gut zuredet. Die Vielschichtigkeit der Figuren ist einer der großen Pluspunkte von American Mary da man ausnahmsweise mal nicht mit den typischen Genre-Charakteren abgespeist wird. Gut gefallen haben mir auch die Ausflüge in die Welt der Body-Modifaktion, einer Körperkunst der ich persönlich nicht viel abgewinnen kann aber an sich recht spannend finde. Hier haben es sich die Soska-Twins auch nicht nehmen lassen selbst einen verrückten (leicht überzogenen) Part zu übernehmen.

Operationen, Körperkult, Chirurgische Eingriffe… Das schreit ja eigentlich geradezu nach derben Splatter-Einlagen! So richtig explizit wird es aber eigentlich nie, meistens bekommt man wenn überhaupt nur die Resultate zu sehen. Allein die Vorstellung was Mary aber gerade mit Skalpell und Knochensäge an ihren „Patienten“ anstellt lässt es einem flau im Magen werden. Die Masken einiger BeautyOP-Fans sahen meiner Meinung nach ein wenig arg künstlich aus, das kann aber auch Absicht gewesen sein.

Schick war auch der „cleane“, düstere Look des Films der immer wieder mit Motiven aus der Fetisch-Szene spielt. Hauptdarstellerin Katharina Isabelle (Ginger Snaps) ist wahres Eye Candy, schwankend zwischen tough unnahbar und mit großen Augen auf verletzlich machend. Überhaupt gibt es recht viel nackte Haut zu sehen und ich war doch etwas überrascht als ich im nachhinein herausfand dass der Film von zwei Frauen gedreht wurde.

Leider geht American Mary in den letzten 15 Minuten ein wenig der Drive aus. Einige Handlungen wirken konstruiert, die Figuren verhalten sich (noch) seltsamer und der Schluss ist enttäuschend unspektakulär.

Trotzdem ist American Mary für mich das erste große Horror-Highlight 2013! Die UK-BD ist bereits erschienen und bietet sogar eine deutsche Tonspur. Außerdem wird der Film dieses Jahr mit im Programm der Fantasyfilm Fest Nights gezeigt, hier bietet sich also die Chance Mary auch auf der großen Leinwand operieren zu sehen.

Punkte: 8 von 10

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Veröffentlicht am 10. Februar 2013 in Film-Reviews und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. flimmerstunde

    Endlich einmal wieder neuer Horrorstoff, der sich nicht dem ständig wiederholenden Einheitsbrei bedient. „American Mary“ entführt uns in eine vollkommen skurrile Welt voller seltsamer Kreaturen, die unermüdlich nach körperlicher Perfektion streben. Hierbei offenbart der Film eine durchaus perfide Sehnsucht, die quasi in jedem von uns steckt, bei dem einen mehr – dem anderen weniger. Die Kritik an dem gesellschaftlich vordiktierten Schönheitsideal ist unüberhörbar und heben den Film positiv über den Durchschnitt. Lobenswert, dass „American Mary“ davon absieht, sich minutiös in grausigen Blutfontänen zu suhlen. Die Gegebenheit wirken zwar durchaus grotesk und bizarr, schaffen es aber das unlängst angestaubte Horrorgenre endlich wieder mit neuen Ideen zu bereichern. „American Mary“ ist ein Film der bewegt und schockiert und das gänzlich ohne ausufernde Ekel-Effekte. Zwar gibt es auch in diesem Schocker auch einige wenige genretypische Gemeinheiten zu bewundern, dennoch distanziert sich der Film erfrischend von der bloßen Zurschaustellung widerlicher Ekelexzesse.
    Wer sich einmal mehr von frischen und befremdlichen Filmstoffen berieseln lassen möchte, ist bei „American Mary“ genau richtig. Das Filmchecker-Team vergibt diesem kleinen Genre-Highlight 8 von 10 Punkten.

    Eine Ausführliche Filmbesprechung jetzt auf dem Filmcheck-Blog

    http://filmchecker.wordpress.com/2013/03/14/filmreview-american-mary-2012/

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