Sinister


Das letzte erfolgreiche Buch des TrueCrime-Autors Elliot Oswald liegt nun schon einige Jahre zurück und langsam stellen sich Geldprobleme ein. Als letzten verzweifelten Schritt zieht er in ein Haus in dem eine ganze Familie ermordet wurde und über dessen Tod auch sein nächster Roman handeln wird. Während der Rest der Familie nichts von der dunklen Vergangenheit des Hauses ahnt beginnt Elliot Nachforschungen anzustellen. Auf dem Dachboden entdeckt er eine mysteriöse Kiste mit Super8-Bändern die allesamt reale Exekutionen von unschuldigen Familien zeigen. Je tiefer Elliot gräbt desto mehr verstrickt er sich in einem düsteren Geflecht aus Mord und Okkultismus und bald schon ist auch seine eigene Familie in Gefahr. Oder sind die übersinnlichen Phänomene nur Resultat seines erhöhten Whiskey Konsums…

Puh, war das gruselig, schon lange habe ich mich im Kino nicht mehr so gefürchtet (und das sogar trotz kichernder Teeny-Girls um mich herum). Sinister hatte mich vor einem halben Jahr mit dem tollen Trailer schon in seinen Bann gezogen und auch die positiven Rückmeldungen über Twitter und Co. blieben nicht aus. Schön das sich der Hype mal wieder als gerechtfertigt herauß gestellt hat.

Sinister ist im Endeffekt recht klassischer Grusel-Horror, vermischt das Ganze aber mit dem derzeit so beliebten FoundFootage-Einflüssen. Die Super8-Rollen die Elliot auf dem Dachboden findet stellen zuerst normale Ausschnitte aus dem Leben der Familien und Ihre anschließende Hinrichtung dar. Diese Sequenzen sind extrem bedrückend und realistisch, wird hier doch auch vor Kindern nicht halt gemacht. Ertränken, verbrennen, aufschlitzen, man gibt sich in Sachen töten vielfältig. Doch auch wenn Sinister zum „normalen“ Film zurückschwenkt bleibt die bedrückende Stimmung. Wie im Genre üblich zieht die Spannungsschraube immer weiter an, der Zuschauer hat in den kurzen Tag-Sequenzen immer weniger Zeit zum verschnaufen und um sich mit den Protagonisten für die nächste Nacht zu wappnen. Sobald das Tageslicht verschwindet und Elliot den seltsamen Geräuschen im Haus nachgeht (keine Ahnung warum in Horrorfilmen nie mal jemand das Licht anmacht), herrscht beim Zuschauer extreme Anspannung. Man scannt das Bild geradezu nach Unregelmäßigkeiten; war dort gerade ein Gesicht hinter Elliot oder hat sich die Tür da gerade von alleine geöffnet?! Neben den gut gesetzten JumpScares sind es die Kleinigkeiten im Hintergrund die zu beängstigen wissen. Nichts ist schlimmer als die Fratze im Gebüsch die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Der Boogeyman ist dazu extrem cool gemacht und bleibt auch nachhaltig im Gedächtnis. Schön das Sinister auf unnötige Splatter-FX verzichtet, die Greultaten auf den Super8-Bändern passieren größtenteils im Off und sind dadurch sogar noch effektiver.

Vom Handwerklichen her kann Sinister also schon mal auf nahezu ganzer Linie überzeugen, einziger Kritikpunkt ist für mich das vorhersehbare Finale. Mittlerweile ist es ja Standard im Horrorgenre dass es so gut wie nie ein HappyEnd gibt (und mal ehrlich, wer will das schon sehen?!), so können Genre-Kenner den Ausgang der Geschichte schon recht früh vorhersagen. Das tut der Spannung aber keinen wirklichen Abbruch, wissen doch auch die Schauspieler auf ganzer Linie zu überzeugen. Der Focus liegt natürlich auf Ethan Hawke als unter Druck stehender Autor, der den Spagat zwischen liebenden Familienvater und manischem Schreiberling mit Bravour meistert! Oft fühlt man sich an Jack Nicholsons Darstellung aus Shining erinnert, ohne jedoch an dessen Bösartigkeit heran zu reichen. Nur Vincent D’Onofrios Auftritt als Rat gebender Professor für’s Okkulte wirkt etwas übertrieben und hätte meiner Meinung auch gut wegfallen können.

Sinister setzt dem schon tollen Insidious noch eins dauf, ist ersterer doch über die komplette Laufzeit düster und gruselig und verärgert den Zuschauer nicht mit einem unnötig humorvollen Ghostbusters-Ende. Die Vorschusslorbeeren wurden zu Recht verteilt, stellt Sinister nun den Abschluss eines äußerst spannenden Horror-Jahres dar. Altmodischer Horror trifft neumodisches FoundFootage, eine Fest für Freunde des gepflegten Gruselns!

Punkte: 8/10

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Veröffentlicht am 30. Dezember 2012 in Film-Reviews und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Muss ich auch noch unbedingt sehen. Hatte gemixte Reviews gelesen. Manche sagen Crap, andere, wie du, loben. Bin gespannt. Grüße und Guten Rutsch!

  1. Pingback: The Innkeepers « Celluloid Carnage

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