Die Morde von Snowtown

Der junge Jamie lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter und seinen Geschwistern irgendwo in einem der ärmeren Vororte im australischen Nirgendwo. Als seine Mutter mal wieder in die Spielhalle abhaut werden die Brüder vom pädophilem Nachbarn belästigt und nackt fotografiert. Einige Tage später tritt John in das Leben der Familie und vertreibt den Nachbar aus der Stadt. John nistet sich in der Familie ein und hetzt am Stammtisch gegen Kinderschänder, Schwule und Drogensüchtige. Doch es bleibt nicht bei den Hassreden und so beginnen er und einige Freunde gezielt Morde an jenen Minderheiten zu begehen. Jamie wird dabei immer mehr in die Geschehnisse involviert, unfähig sich der Dominanz Johns zu entziehen.

Es gibt Filme da fragt man sich im nachhinein warum man sich diese eigentlich angeschaut hat. Nicht witzig, nicht brutal, nicht wirklich actionlastig, ja nichtmal wirklich spannend. Filme die eigentlich nur ein schlechtes Gefühl in der Magengegend hinterlassen, die runter ziehen. Die Morde von Snowtown ist einer jener Filme.

Schon die ersten Szenen zeigen wo es lang geht, eine Familie der unteren sozialen Schicht, das Haus und die Umgebung verkommen, die 4 Kinder introvertiert und vernachlässigt. Alles ist grau und trist und das wird sich die nächsten knapp 2 Stunden auch nicht ändern. Und obwohl am Anfang noch nicht wirklich viel passiert ist da schon dieses flaue Gefühlt im Magen. Als John dann in die Familie eintritt wirkt das zuerst sogar richtig erleichternd, ist er doch der einzige der ein wenig Interesse und Enthusiasmus zeigt. Sämtliche Schauspieler meistern Ihre schweren Rollen mit absoluter Bravour, besonders Lucas Pittaway und Daniel Henshel die Snowtown fast komplett auf Ihren Schultern tragen verleihen Ihren Charakteren ein enorme Tiefe und Intensität. Mit welcher Leichtigkeit John von einer Greultat zur nächsten schreitet ist beängstigend! Genauso beunruhigend ist der WhiteTrash der sich scheinbar täglich zum trinken und hetzen in der heimischen Küche trifft. Wenn man teilweise mitbekommt was für Hasstriaden an einigen Kneipenstammtischen von sich gegeben werden scheint man von ähnlichen Verhältnissen auch bei uns nicht all zu weit entfernt zu sein.

Überraschenderweise wird recht wenig Augenmerk auf die eigentlichen Morde gelegt, vieles passiert im Off oder wird gar nicht gezeigt. Allerdings gibt es eine Sequenz die mit zu den verstörendsten Szenen gehört die ich in letzter Zeit auf dem Bildschirm bewundern „musste“. Generell folgt Snowtown mit einer ungewohnten Gleichgültigkeit seiner Geschichte, nur selten gibt es einen wirklichen Spannungsaufbau und so fühlt man sich als Zuschauer eher als passiver Beobachter. Selbst der sich kurz anbahnende Showdown verpufft letztendlich im nichts. Das ist aber beileibe nicht negativ zu verstehen, Snowtown ist eines jener Werke auf die man sich einlassen muss und dann geradezu mitgerissen wird.

Doch der Film macht es einem nicht wirklich leicht, viele Namen, Personen und Beziehungen prasseln auf den Zuschauer ein. Oft konnte ich einzelne Charaktere nicht wirklich identifizieren oder zuordnen. Die Reaktionen einiger Personen auf die Morde wirken teilweise seltsam, nicht eindeutig ob Lethargie, Angst oder Nichtwissen vorherrscht. Dazu kommt das komplette fehlen eines Sympathieträgers an den man sich halten kann.

Die Morde von Snowtown ist ein wahrer Magenschwinger dessen dunklem Sog man sich nur schwer entziehen kann. Auch wenn der Abspann über den Bildschirm läuft fällt das Aufatmen schwer, das Wissen das der Film auf wahren Begebenheiten basiert lässt einem in Gedanken immer wieder ins düstere Australien zurückkehren. Bravo!

Punkte: 8 von 10

Vielen Dank an Pierrot Le Fou für das freundliche bereitstellen der Rezensions-DVD!

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Veröffentlicht am 16. September 2012 in Film-Reviews und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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