Villa Captive

Lucy Lust (Real Life Porno-Mieze Liza del Sierra) ist eine erfolgreiche Pornodarstellerin aus Frankreich, die sich nun aber aus dem Geschäft zurück ziehen will. Sie kauft sich eine schicke Villa in Miami und möchte dort erstmal zur Ruhe kommen. Doch das erregt natürlich Aufmerksamkeit und so bricht eine kleine Gruppe Dumpfspacken in das Haus ein während Lucy und der junge Hausmeister Jeremia aus zum Essen sind. Die beiden überraschen die Einbrecher allerdings und so beginnt für den Zuschauer ein Tortour der puren Langeweile!

„…verweist damit den ähnlich gelagerten I Spit on your Grave in die zweite Liga der Rape’n’Revenge Filme!“ „Mit seiner abgebrühten Machart erinnert Villa Captive zusätzlich an den artverwandten Martyrs.“

Oh man, große Worte springen einem da vom Backcover entgegen. Klar, die Marketing-Abteilungen der Publisher überschlagen sich gerne mal mit Versprechungen und Anpreisungen, nach dem anschauen von Villa Captive stellt sich aber schon die Frage ob die Schreiberlinge auch nur ansatzweise einen Blick auf dieses Machwerk geworfen haben.

Das Subgenre des Rape’n’Revenge Films ist an sich schon ein heikle Angelegenheit. Wo überschreitet man die Grenze des Zeigbaren? Muss man wirklich eine 10 minütige Vergewaltigung in seinen Film einbauen? Ist die zum Ende waltende Selbstjustiz gerechtfertigt? Neben viel Schund gibt es aber auch einige wirkliche Terrorperlen die geradezu ein Schlag in den Magen sind. Der bereits oben erwähnte I Spit on your Grave (Remake & Original) und The Last House on the Left (nur das Remake ;)) würde ich zum Beispiel hierzu zählen. Villa Captive spielt zwar die typischen Genre-Konventionen ab und kopiert dabei gnadenlos bei den „Großen“, bleibt aber so emotionslos das über die eh kurze Laufzeit von 79 Minuten die pure Langeweile regiert!

An den billigen Look könnte man sich ja vielleicht gewöhnen, aber spätestens bei den Schauspielern ist Hopfen und Malz verloren. Lange habe ich ein komplettes Ensemble schon nicht mehr so schlecht spielen sehen. Hölzern, aufgesetzt und ohne Leben werden die Figuren aus dem Klischee-ABC dargestellt. Die Rape-Gang besteht natürlich auch wieder aus den typischen Versatzstücken wie dem Anführer, dem Verrückten der durchdreht und dem Mitläufer der die Taten ein wenig in Frage stellt. Die Krone setzt dem ganzen aber der behinderte Bruder des Maniac auf (ach, daher der Verweis auf I Spit on your Grave ;))! Nicht nur das diese Darstellung eines geistig behinderten Menschen mehr als Fragwürdig ist da dieser hier schon als nahezu bösartig hingestellt wird, nein, der Typ ist so was von nervig das der ohnehin schon miese Film noch schwerer zu ertragen ist! Liza del Sierra hätte ebenfalls lieber im Porno-Biz bleiben sollen. Ein Rape’n’Revenge Film in der man der Protagonisten Ihr Leiden nicht ab nimmt MUSS einfach zum scheitern verurteilt sein! Lizas Charakter bleibt über die komplette Spielzeit viel zu tough, man glaubt immer wieder ein Lächeln auf Ihren Lippen zu sehen.

Mit schlechten Schauspielern haben wir Horror-Fans ja immer wieder mal zu kämpfen, leider bietet Villa Captive auch ansonsten überhaupt nichts was an den Bildschirm fesseln könnte. Die Handlung ist genrebedingt vorhersehbar, wirkliche Gore-FX sind nicht vorhanden und sogar die große Rache am Ende ist so stümperhaft insziniert das man beinahe auflachen möchte. Die Vergewaltigung, normalerweise eine Kernszene, wird hier mal eben innerhalb weniger Sekunden abgespielt. Ich bin kein Freund dieser Sequenzen und mir schlagen die immer ziemlich auf den Magen, trotzdem sind sie wichtig um Emotionen und Abscheu aufzubauen. Man muss ja auch nicht stumpf draufhalten, auch ein Abblenden und den psychologischen Impact im nachhinein darstellen ist mehr als legitim, aber das bekommt Villa Captive auch nicht hin. Es scheint beinahe so, als wäre nichts passiert! Ein mal kurz ins Kissen geheult und weiter geht’s. Seltsam auch das auf den scheinbar belebten Straßen niemand etwas von der ganzen Geschichten mitbekommt, obwohl verschiedene Personen gerne mal durch den Garten gejagt oder auf offener Straße in ein Auto gezerrt werden.

Villa Captive hat leider keinerlei Daseinsberechtigung! Der Film ist langweilig, schlecht gemacht und wird eher früher als später in Vergessenheit geraten. Tut Euch den Gefallen und spart Euch diese 80 Minuten purer Zeitverschwendung.

Punkte: 1 von 10

Noch etwas zur BD/DVD: Die deutsche Synchro ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, gut das man auf den englischen O-Ton umswitchen kann. Das es weder englische noch deutsche UTs gibt wirkt zwar nicht mehr Zeitgemäß, ist aber verschmerzbar, ein wahres NoGo ist aber das die ab und an auftauchende französischen Sequenzen nicht untertitelt wurden!

Trotzdem: Vielen Dank an I-On New Media für die freundlich Bereitstellung der BD.

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Veröffentlicht am 9. April 2012 in Film-Reviews und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Ich hab ja, gerade bei B-Movies, seit Jahren die Regel.
    „Wenn das Backcover große Töne spuckt Finger weg von dem Film“ je doller er angepriesen wird um so mieser ist er.

    • Ach, mittlerweile sind wir es ja gewohnt das einem auf den Cover das Blaue vom Himmel versprochen wird, aber das es bei Villa Captive so in die Hose geht konnte ja keiner ahnen 😉

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