Chillerama

Mit Chillerama habe wir mal wieder eine Horror-Anthologie vorliegen, die als große Hommage an das Genre angesehen werden kann. Die Macher sind allesamt selber Fans und das merkt man anhand der Machart und der Geschichten auch. Das dabei nicht jede Folge ein Knaller ist kennt man ja bereits aus anderen Sammlungen, aber immer der der Reihe nach:

Wadzilla: Hierbei handelt es sich um eine Liebeserklärung an die Monsterfilme der 50er Jahre wie Panik in New York. Miles wird vom Urologen seines Vertrauens (Herrlich wie immer: Ray Wise) ein neues Medikament verschrieben das seine Spermien ein wenig munter machen soll. Beim abendlichen Blinddate gerät die Situation allerdings außer Kontrolle, nur durch eine schnell eingeleitete Selbstbefriedigung kann der junge Mann sich von dem immer größer werdenden Spermium befreien. Doch der kleine schleimige Racker kann entkommen und wächst unaufhörlich weiter! Die Army muss eingreifen um die bald haushohe Wichs-Kaulquappe (sorry) zu zerstören!

Großartig, Wadzilla schafft es den Style der 50er Jahre wirklich gekonnt einzufangen. Mal ist das Monster dilletantisch animiert, mal verkloppt eine Puppe Army-Panzer in Spielzeugform. Die Schauspieler ergehen sich dabei im beabsichtigen Overacting und schreien sich die Lunge aus dem Hals. Die Gags zünden zwar größtenteils, allerdings gehen die meisten Lacher doch ziemlich unter die Gürtellinie.

I was a Teenage Werebear: Der mit Abstand schlechteste Part von Chillerama. In Anlehnung an die Surf- und Beachfilme der 60er wird die Geschichte des Collegeschülers Ricky erzählt, der gerade seine Homosexualität entdeckt. Von dem Anführer einer in Lack und Leder gekleideten Gang in den Po gebissen wird er zum Werebear! Bear ist ein Slangwort aus der Schwulenszene und beschreibt wohl etwas dicklichere stark behaarte Männer in knappen Leder Outfits. In eben diese verwandeln sich die eigentlich knackigen jungen Männer und begehen Mord und Totschlag. Na ja, so richtig viel Mord und Todschlag gibt es da allerdings nicht. Die Gewaltszenen sind recht billig (ja, auch absichtlich) insziniert und hauptsächlich ruht sich „Werebear“ auf der vermeintlich witzigen Grundidee aus. Leider fand ich die meisten Gags nicht sonderlich lustig, wobei man zugeben muss dass die Masken schon ziemlich bescheuert aussahen. Allerdings übertreibt es diese Episode ein wenig mit den Homo-Witzen und auch die Musical-Einlagen nerven gewaltig. Alles in allem einfach langweilig, beim nächsten Mal schauen werde ich wohl direkt zum nächsten Film skippen. Ach ja, und kommt mir bloß nicht mit Schwulenfeindlich oder so, Regisseur Tim Sullivan und Hauptdarsteller Sean Lockhart sind beide Homosexuell! Die dürfen da also Witze drüber machen 😉

The Diary of Annefrankenstein: Wer sich durch den zähen Werebear gequält hat wird mit einem absoluten Highlight belohnt. „The Diary of Annefrankenstein“ ist eine in schwarz/weiß gedrehte Huldigung an die ganz frühen Horrorfilme a lá Nostferatu. Hitler bemächtigt sich dem Tagebuch der Annefrankenstein und erschafft sein eigenes, aus Leichenteilen zusammengebautes Monster. Da die Geschichte uns gelehrt hat das bei den Nazis noch nie etwas geklappt hat, gibt es natürlich auch hier kein all zu glückliches Ende für Adolf.

Ok, „Annefrankenstein“ ist zwar nicht all zu blutig, aber so herrlich witzig und politisch inkorrekt das man diese Episode einfach lieben muss. Alle Schauspieler sprechen fließendes deutsch (englisch untertitelt), nur Joel David Moore als Hitler ist Amerikaner und brabbelt unverständlich vor sich hin! Besonders für uns deutsche Zuschauer ein großer Spaß! Wenn der arme Hitler dauernd von der ewig geilen Eva Braun hintergangen wird oder sich mit dem Monster durch die offensichtlichen Pappkullissen prügelt bleibt kein Auge trocken. Das Monster wird übrigens von Kane Hodder (der einzig wahre Jason) gespielt, hat jüdische Züge die ins satirische überzogen sind und heiß Meshugannah :D! Für manch einen geht das vielleicht zu weit, ich habe mich köstlich amüsiert.

Eingebetet werden die 3 Filme natürlich in eine Rahmenhandlung, dem „Zom B Movie“. Diese spielt in einem alten Drive-In Kino dessen letzter Abend vor der Schließung ansteht und wo noch mal die o.g. Streifen gescreent werden sollen. Natürlich geht auch hier etwas schief und so verwandeln sich die Besucher nach und nach in Blut- und Sexgierige Zombies!

Ist klar, hier standen Return of the Living Dead & Co. Pate! Look und Style der 80er Jahre wurden gut eingefangen, allerdings dauert es ewig bis das „Zom B Movie“ mal an Fahrt aufgenommen hat. Die kleineren Intermezzi zwischen den anderen Filmen sind eher langweilig und erst am Ende kommt es zu ordentlicher Zombie-Action! Die ist dafür schön blutig und Over the Top, driftet aber leider wieder viel zu sehr ins blödelige ab! Das die Untoten in purer Geilheit übereinander herfallen passt zwar zum Chillerama-Konzept, war mir dann aber doch ein wenig zu viel des Guten! Richtig schön ist dann noch mal das Film-Zitate-Medley am Ende, bei dem der von Zombies umringte Held einen Spruch nach dem anderen rauß haut!

Tja, was soll ich nun dazu sagen! 1x Gut (Wadzilla), 1x Super (Annefrankenstein), 1x Mittelmaß (Zom B Movie) und 1 Ausfall (Werebear). The Diary of Annefrankenstein rettet die komplette Sammlung! Ohne diesen Partykracher wäre Chillerama doch eher eine Enttäuschung die vom pubertären Pimmel-Humor leben würde. So überwiegt doch das positive Gefühl eine nette Reise durch das Horror-Genre gemacht zu haben. Allerdings habe ich mir von den Namenhaften Regisseuren doch mehr versprochen. So bleibt Chillerama ein kleiner Snack für den schnellen BadTaste-Hunger zwischendurch.

Punkte: 6,5 von 10

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Veröffentlicht am 20. März 2012 in Film-Reviews und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. flimmerstunde

    Und wieder haben sich 4 Filmregisseure zusammen getan und einen wirklich sehenswerten Episoden-Horror geschaffen, der sich wahrlich gewachsen hat. Statt auf blutrünstigen Holzhammer-Terror zu setzen, werden in „Chillerama“ vordergründig die Lachmuskeln strapaziert, denn dieses muntere kleine Filmchen persifliert und parodiert auf überaus charmante Weise fast 80 Jahre Horrorfilmgeschichte. Dabei gestaltet sich das muntere Hommage-Raten als überaus erfrischend und wunderbar schrullig, dass man „Chillerama“ einfach dafür gern haben muss.
    Leider erlischt das recht hohe Gag-Feuerwerk nach den ersten drei Kurzgeschichten und mündet in einem recht idiotischen Abschluss, der sich mit derben Fäkal-Witzen und dreisten Sex-Schoten ein wenig selbst das Bein stellt. Schade. Trotzdem, absolut sehenswert und ein Muss für aufgeschlossene Filmfans! Die gesamten Review lest ihr hier:

    http://filmchecker.wordpress.com/2012/07/03/filmreview-chillerama-2011/

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